Zukunftskongress in Berlin. 25 Jahre Tafeln in Deutschland

Vor 25 Jahren wurde die erste Tafel in Berlin gegründet. Mittlerweile bieten über 940 Tafeln in Deutschland für bedürftige Menschen Unterstützung an. In Gießen gibt es die Tafel seit 2005. An sechs Standorten werden ca. 870 Haushalte mit 2.800 Personen – davon ca. 800 Kinder – unterstützt. Etwa 300 ehrenamtliche Mitarbeiter sind bei der Tafel Gießen aktiv.

„Wenn ich in diesem Jahr zum 25-jährigen Tafel-Jubiläum auf meine Anfänge in der Tafel-Bewegung zurückblicke, dann wird mir besonders bewusst, dass wir uns in einem rasanten Prozess der Veränderung befinden“, sagte der Vorsitzende von Tafel Deutschland, Jochen Brühl, auf dem Zukunftskongress Ende September in Berlin.

„Die Arbeit der Tafeln ist vielfältiger, professioneller und auch anspruchsvoller geworden“, so Brühl weiter. „Wie die Gesellschaft insgesamt, so wird auch unsere Arbeit digitaler, globaler und schnelllebiger. Deshalb haben wir unser 25-jähriges Jubiläumsjahr bewusst als Zukunftsjahr ausgerufen, in dem wir mit unseren Unterstützern und Partnern nach vorne schauen wollen. Die vorangegangenen Zukunftswerkstätten und den heutigen Zukunftskongress in Berlin möchten wir nutzen, um herauszufinden, wie wir ehrenamtliche Arbeit attraktiv halten, mit der Digitalisierung umgehen, wir wollen über den Tellerrand Richtung Europa und in die Welt schauen und die Gesellschaft auf unsere Themen aufmerksam machen. Dieser Prozess wird uns die nächsten Jahre begleiten. Denn unser Ziel ist es, auch in Zukunft Lebensmittel zu retten und Menschen zu helfen“.

Die Tafeln verteilen gespendete Lebensmittel an etwa 1,5 Millionen Menschen. Ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche. Die Lebensmittel ergänzen den Speiseplan der Tafel-Kundinnen und -Kunden und entlasten ihr schmales Budget zugunsten anderer dringender Anschaffungen oder kultureller Aktivitäten.

„Mit ihrer Arbeit haben die Tafeln in den vergangenen 25 Jahren zwei Probleme ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt: Armut und Lebensmittelverschwendung in Deutschland. Beide Themen werden nach wie vor stiefmütterlich von der Politik behandelt. Dabei besteht enormer Handlungsbedarf. Wenn mittlerweile 1,5 Millionen Menschen auf die Unterstützung von Tafeln angewiesen sind, dann stimmt etwas in unserem Staat nicht. Wenn hunderttausende Senioren in Altersarmut leben, kinderreiche Familien oder Alleinerziehende ihren Lebensunterhalt nicht mehr hinlänglich bestreiten können, wenn Arbeit kein Schutz mehr vor Armut ist, wenn Menschen mit Migrationshintergrund keine Chance auf Aufstieg und Teilhabe haben, dann kann von einem existierenden Sozialstaat nicht mehr die Rede sein. Die sich zuspitzenden sozialen Unterschiede gefährden den Zusammenhalt der Gesellschaft“, so Brühl.

Gemeinsam mit vier großen Verbänden der freien Wohlfahrtspflege – der Deutsche Caritasverband, die Diakonie Deutschland, der Paritätische Gesamtverband, der Arbeiterwohlfahrt Bundesverband – fordern die Tafeln in der gemeinsamen Erklärung die Politik auf, sich stärker gegen Armut und Ausgrenzung einzusetzen. Zudem leisten Tafeln einen bedeutenden Beitrag zur Lebensmittelrettung. Seit Bestehen weisen sie auf das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung in Deutschland hin und rufen zu mehr Wertschätzung im Umgang mit Lebensmitteln auf.

2018-10-03T20:12:51+00:00